Mittwoch, 9. September 2009

HarmoS - Volksabstimmung vom 27. September 2009

Habt ihr gewusst, dass etwa die Hälfte aller Volksbefragungen über Sachthemen weltweit in der Schweiz durchgeführt werden?  Was für ein Privileg, was für eine Verantwortung.


Wir  leisten uns in der kleinen Schweiz 26 verschiedene Schulsystem. Wir haben uns mit einer eidgenössischen Abstimmung 2006 den Auftrag gegeben, diese zu vereinheitlichen. Während dem Prozess wurde heftig gestritten und einige Kantone sind leider abgesprungen. Es ist ganz klar, dass bei so einem Prozess die Beteiligten Kompromisse eingehen müssen.


Um was geht es: die Frage lautet, ob wir damit einverstanden sind, dass wir Berner uns dem Konkordat anschliessen oder ob wir wie bisher unser eigenes Süppchen kochen wollen.

Es ist unbedingt zu befürworten, dass Schulsystem vereinheitlicht werden. Ich habe selber an Instituten studiert, wo es ein offenes Problem war, dass verschiedene Kantone verschiedene Bildungsstandards führen. Ich habe von einigen Kindern gehört, die nach einem Schulwechsel in einen anderen Kanton massiv Probleme und nachhaltige Defizite hatten, weil man halt anderswo andere Prioritäten setzt.

Als Gegenargument habe ich bisher nur gehört, dass die armen Kinder bereits ab 4 Jahren in den Kindergarten müssen und somit ihr gesamte Kindheit verlieren. Das finde ich persönlich sehr kleinlich, als würde man über einen Busch streiten und den ganzen Wald nicht sehen.

Art. 5.Einschulung
1 Die Schülerinnen und Schüler werden mit dem vollendeten 4. Altersjahr eingeschult (Stichtag 31. Juli).
2 Während der ersten Schuljahre (Vorschul- und Primarunterricht) erwirbt das Kind schrittweise die Grundlagen der Sozialkompetenz und der schulischen Arbeitsweise. Es vervollständigt und konsolidiert insbesondere die sprachlichen Grundlagen. Die Zeit, die das Kind für das Durchlaufen der ersten Schuljahre benötigt, ist abhängig von seiner intellektuellen Entwicklung und emotionalen Reife; gegebenenfalls wird es durch besondere Massnahmen zusätzlich unterstützt.

Fakt ist:
  • Der zweijährige Kindergarten ist an den meisten Orten bereits heute üblich, jedoch nicht obligatorisch.
  • Für uns Berner rutscht jetzt der Stichtag von 28. Februar auf den 31. Juli, das heisst, ein Kind wird theoretisch 7 Monate früher in den Kindergarten geschickt.
Die Gegner fügen an, dass Kinder mit vier Jahren nicht reif sind für den Kindergarten und ihre Kindheit verlieren. Wenn ein Kind mit vier nicht bereit ist (da gibt es sicher einige), muss es nicht in den Kindergarten, man lese den letzten Satz des Artikels.
Mein mittlerer Sohn geht zurzeit in den ersten Kindergarten, der Ältere war letztes Jahr im Kindergarten. Ich habe sie regelmässig gefragt, was sie im Kindergarten gemacht hätten. Antwort: "Gespielt". Alles andere hat sie weit weniger beeindruckt. Was bitte könnte kindlicher sein? Welche Kindheit soll da verloren gehen? Wir reden von Kindergarten, nicht von Schichtarbeit im Kohlebergwerk!

Wir merken bei unseren drei Buben und anderen Kindern, dass frühe soziale Kontakte mit anderen Kindern unheimlich wichtig sind. Längst nicht alle Kinder haben das Glück, in einem Quartier mit gleichaltrigen spielen zu können. Es ist heute möglich, ein Kind bis zum Schulbeginn vor dem Fernseher aufwachsen zu lassen, und leider nur zu oft passiert das auch. Da wird es im fünften Lebensjahr höchste Zeit für soziale Kontakte.

Ein paar weitere Wort zum Rest von HarmoS
  • Die Gegnerschaft beanstandet, dass die Verlängerung der Shculfplicht von 9 auf 11 Jahre massiv kosten werde. Fakt ist, dass der zweijährige Kindergarten an den meisten Orten längst üblich ist, das Argument ist an den Haaren herbeigezogen. Wenn HarmoS einmal angelaufen ist, ist im Gegenteil mir Einsparungen zu rechnen, weil zwischen den Kantonen einige Reibungsverluste wegfallen werden (z.B. einheitliche Lehrmittel)
  • HarmoS näme denjenigen Eltern die Eigenverantwortung weg, die ihre Kinder sehr gerne selber betreuen würden. Wir reden von etwa 20 Stunden pro Woche. Diejenigen Eltern, die ihre Kinder bis zum 7. Geburtstag von allen Umwelteinflüssen schützen wollen, halte ich persönlich für etwas suspekt.
Noch etwas zum Stil: während die Befürworter sachlich und halt wenig reisserisch die Tatsachen und Meinungen auf den Tisch legen, redet die Gegnerschaft in gewohnter SVP-Manier der Wählerschaft Ängste ein und liefert schlichwegs falsche Fakten. Es wird z.B. behauptet, dass schon die 4-jährigen Knirpse hochdeutsch sprechen müssen. Das ist natürlich Quatsch.

Mein Antrag an dich, Leser: Lies die Botschaft, informiere dich bei PRO und bei CONTRA, und dann fülle den Zettel aus, egal ob JA oder NEIN. Wenn du dich nur an einem Plakat orientieren willst, dann lass es!


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