Freitag, 7. Mai 2010

Die Kinder vom anderen Dorf

Im Schulhaus von Ahausen herrschte immer viel Betrieb, besonders in den Pausen. Auf dem Platz wurde getschuttet, geklettert, diskutiert, gestritten und gelacht. Das war schon seit Vaters Zeiten so.

Seit einer Weile kamen ein paar Kinder aus Bestetten nach Ahausen in die Schule. Man wusste nicht so recht warum, aber vermutlich war das Schulhaus von Bestetten zu klein. Es waren etwas komische Gestalten, anders als die Kinder von Ahausen. Sie sagten "Brötli" statt "Weggli", ganz komisch. Das eine Mädchen, eigentlich ein hübsches Kind, trug immer eine grosse Sonnenbrille, wie sie halt in Bestetten getragen werden. Der andere hatte ein Bike mit roten Reifen, wie es sie man sie in Ahausen nie sieht. Und einer von denen, das war ein Schnuderhung. Von dem vermutet man, dass die in Bestetten ganz froh sind, dass er weg ist.

Auf dem Pausenplatz sassen die Kinder von Bestetten immer etwas abseits. Sie assen ihre "Brötli" zum Znüni, sahen den anderen Kindern beim spielen oder übten ihre Ballkünste. Die kritischen Blicke der Ahausener Kinder liessen vermuten, dass sie beim spielen nicht erwünscht wären. Also blieb man unter sich.

Es ging gegen Sommer, die Zeit der Fussballturniere kam. Die Ahausener hatten bisher immer eine gute Mannschaft zusammengebracht, aber die guten Spieler waren letztes Jahr aus der Schule gekommen. Es war klar, dass man dieses Jahr keine Chance gegen Cedorf.

Aber man hatte die anderen ja beobachtet, was sie so mit dem Ball anstellen konnten. "He, ihr da aus Bestetten, macht ihr beim Turnier mit?" - "Nein, wir mögen nicht, wir gehören ja sowieso nicht zu euch."

"Was tun wir nur?" berieten die Ahausener Kinder. "Ich habe eine Idee, wie wir das Problem lösen" sagte der vorwitzigste unter Ihnen: "wir sagen, dass sie keine Sonnenbrille tragen dürfen, die sind sowieso schlecht für die Augen. Und die Velos, die dürfen auch keine roten Reifen mehr haben. Unsere Reifen sind schwarz und weiss! Und natürlich müssen sie 'Weggli' sagen statt 'Böötli'. Dann spielen sie sicher gerne mit uns." - "Au ja, so machen wir das!"


Was meint ihr? Haben die Kinder aus Bestetten freudig ihre Sonnenbrille und Velos mit roten Reifen weggeworfen und mitgespielt und gehörten fortan dazu?

Kommentare:

  1. Coole Story Aendu! Natürlich nicht, die Bestettener Kids lassen sich bestimmt nicht assimilieren, höchsten allenfalls integrieren. Integration läuft aber nicht einseitig ab. ;-)

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  2. Meiner Meinung nach ist auch das ein Beispiel, dass sich die Bestettener Kids doch auch intergrieren sollten. Zwar ist das bei der Imigration ein bisschen anders als hier, aber sie sollten sich anpassen, wenn sie dazu gehören wollen!

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