Donnerstag, 29. Juli 2010

"Duisburg-Katastrophe war Gottes Wille" oder wie der Blick über Leichen geht


Ich könnte mir in die Zunge beissen! Eigentlich müsste ich über den Wahrheitsgehalt der Möchtegern-Zeitung Blick Bescheid wissen. Aber nein...!

Was ist geschehen? Am vergangenen Dienstag brachte der Blick im Zuge der Loveparade-Berichterstattung ein Interview mit dem EDU-Nationalrat Andreas Brönnimann mit dem Titel "Duisburg-Katastrophe war Gottes Wille" (Link).
Worauf ich mich auf Twitter zur spontanen Aussage verleiten liess: "An Andreas Brönnimann: Pflichtlektüre Neues Testament! Sollte der EDU entfernt bekannt sein." (Link).
Gestern Mittwoch machte mich Beat Gubser, EDU-Stadtrat Bern, (Twitter) aufmerksam, dass die EDU Schweiz beim Blick eine Richtigstellung verlangt. Der Wortlaut des Textes ist unten angeführt.

Sehr geehrter Herr Brönnimann; werte EDU Schweiz: es tut mir unendlich leid, dass ich mich zu meiner Aussage habe hinreissen lassen. Wir haben das Heu in politischer und christlicher Hinsicht nicht unbedingt auf derselben Bühne, aber doch so nahe beieinander, dass wir vom selben Gott und von der selben Vergebung von Jesus sprechen. Spätestens da hätte mir auffallen müssen, dass Sie das nie und niemals gesagt haben können. Ich bitte Sie in aller Form um Entschuldigung!

Ein Wort an den Blick: ich tue mich echt schwierig, ein paar Worte zu finden, die eurem Intelligenzgrad angemessen wären. Aber wie heisst es so schön: "Streite dich nicht mit Idioten; sie ziehen dich auf ihr Niveau und schlagen dich mit Erfahrung". Ihr seid das beste Beispiel für die aktive Volksverdummung. Information wäre euer Auftrag, Desinformation betreibt ihr! Ihr seid genau so ekelerregend wie der von euch zitierte Raver "Lasst mich durch, ich bin zum feiern da" was wahrscheinlich eine weitere bekannte Blick-Lüge ist.

Ein Wort an 20 Minuten: "Praktikant, lies den Blick und schreibe das wichtigste ab!" Nein, Leute, ich bin branchenfremd, aber so wird keine Zeitung gemacht!

Nachtrag: Bericht im Bund vom Donnerstag 29.07.2010

Stellungname der EDU:

Persönliche Stellungnahme von Nationalrat Andreas Brönnimann zum Blick-Artikel vom 27.7.2010
Dieses Unglück hätte nicht passieren dürfen und ist eine grosse Tragödie für alle Beteiligten. Zur Frage nach Gott: Er hat dieses schreckliche Unglück zugelassen, sonst wäre es ja nicht passiert, die Menschen haben ihren freien Willen, Gott lässt uns gewähren. Auf dieser Welt werden Kriege geführt, Unfälle passieren, immer wieder sterben unnötig Menschen.
Die Aussage, dass dieses Unglück in Duisburg Gottes Strafgericht sei, würde ich nie machen. Ich bedaure den Tod der 20 Teilnehmer und spreche den Angehörigen mein tiefstes Beileid aus.

Andreas Brönnimann, EDU-Nationalrat, BE

Andreas Brönnimann verlangt auch bei Blick Online eine Richtigstellung des Artikels:
Die Aussage: „Kein Wunder also, schlug Gott strafend zu“, habe ich nicht gemacht. Der Frage, ob ich auch der Meinung wie die ehemalige Nachrichtensprecherin aus Deutschland sei, dass es sich hier um ein Strafgericht Gottes handle, habe ich nicht zugestimmt. Ich bitte Sie diese Aussage zu korrigieren, da ich diese Frage ablehnend beantwortete. Auch zur Aussage Nächstenliebe: Ich habe nur auf Fragen geantwortet, und diese wurde mir nicht gestellt, es ist doch selbstverständlich, dass ich den Tod der 20 Teilnehmer bedaure.

EDU-Stellungnahme zum Blick-Artikel vom 27.7.2010
Die EDU bedauert den tragischen Zwischenfall in Duisburg. 20 Tote, über 500 Ver- letzte und Tausende von Menschen die traumatisiert sind. Das Fehlverhalten und eine Falscheinschätzung der Lage führten zu dieser Katastrophe.
Gott lässt dem Menschen seinen freien Willen, das grosse Leid aus dieser Kata- strophe macht uns alle traurig. Der „Blick“ hat die mündlichen Aussagen von EDU- Nationalrat Andreas Brönnimann total verdreht und mit Unwahrheiten ausgeschmückt. Davon distanziert sich die EDU klar.


EDU Schweiz, 27.7.10

Kommentare:

  1. Blick hält es da scheinbar wie Bild... haufenweise Beispiele auf www.bildblog.de. Den Leuten werden irgendwelche Worte in den Mund gelegt, Fotos werden gefälscht, Gesichter nicht oder ungenügen anonymisiert... was will man denn von der Boulevardfresse... ähm, Presse erwarten?

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  2. Nicht dass der Blick Unwahrheiten schreibt macht mich nachdenklich. Sondern dass er die meistgelesene Zeitung der Schweiz ist. Peinlich ist das für die Bevölkerung.

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