Sonntag, 14. November 2010

Kernenergie und die Folgen

Lange war ich der Meinung, dass Atomkraft zwar alles andere als harmlos sei, aber durchaus in Griff zu kriegen sei. Immerhin setze sie kein giftigen Gase frei und die Menge des Abfalls ist überschaubar.

Ich musste umdenken. Zwei Filmbeiträge haben mir verdeutlicht, dass Energie aus Kernspaltung, das heisst dessen Gefahren und dessen Abfallproblem nicht lösbar ist. Etwas Hoffnung setze ich auf das Konzept der Kernfusion (Versuchreaktor ITER in Cadarache, Frankreich), aber noch gibt es zuviele Unbekannten.

Der erste Beitrag handelt vom Atomunfall in Tschernobyl im April 1986. Man mag sagen, dass in "unseren" Kraftwerken konzeptbedingt so etwas nicht passieren kann. Meiner Meinung nach ist es keine Frage, ob ein weiterer Unfall passiert. Passieren wird er, bei aller Unwahrscheinlichkeit. Die einzige Frage lautet "wann". Klar, der Film mag einseitig informieren, aber offensichtlich sind wir nur knapp einer noch wesentlich grösseren Katastrophe entgangen.

Einen zweiten Beitrag zur Problematik von radioaktivem Abfall, wie er eben in Deutschland wieder entfacht ist, wurde im WDR ausgestrahlt. Auch hier: der Beitrag informiert einseitig, die Problematik ist aber nicht von der Hand zu weisen.
Der WDR-Beitrag kann nicht eingebunden werden, darum verlinke ich:

"Atommüll-Endlager verzweifelt gesucht" (oder direkt als MP4)

"Die wahre Geschichte von Tschernobyl"
 (Playlist aus 10 Teilen, Dauer ca. 93 Minuten)


Die Stadt Bern kriegt mit der Initiative "Energiewende Bern" die Chance, ein deutliches Zeichen zur Energiepolitik zu setzen.

Kommentare:

  1. Ich konnte nun die Videos nicht wirklich anschauen, die Du hier veröffentlichst. Aber eines ist für mich klar. Wir müssen wegkommen von der Kernenergie und stetig die Alternativen antreiben. Die Frage ist nur: WIE?

    - Tatsache ist: Für einen totalen Atomausstieg fehlen uns heute noch die Alternativen.
    - Wir müssen einen Preisanstieg in Kauf nehmen!

    Aber im Kleinen, eben mit einer Energiewende Bern, da haben wir die Chance ein deutliches Zeichen zu setzen. Deshalb kämpfe auch ich dafür, dass die Wende bald "starten" wird.

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  2. Klar, die Videos füllen eine Abend.

    Zum WIE: nur ein Beispiel: besonnte Hausdächer, da gibt's so richtig Potential. Ich denke, wenn man soviel Mittel in Forschung und Entwicklung stecken würde, wie sie nach wie vor zur Oelsuche verwendet wird, wären wir dem WIE schon wesentlich näher.

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  3. es gäbe schon einige lösungen an erneuerbaren energien. doch wir (ch-bevlökerung) stehen uns da zum teil selbst im weg, in dem wir baugesuche ablehnen/widerspruch einlegen, weil zu laut, passt nicht in die umgebung, etc. und je länger je mehr brauchen wir auch mehr energie. wie sollen die schön geredeten elektrofahrzeuge getankt werden, wenn die energie bald schon nicht mehr reicht für den jetztigen standart?

    flusskraftwerke hätten noch potential

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  4. Da muss ich was dazu sagen, war letztens im AKW Leibstadt.

    Flusskraftwerke sind in der Schweiz quasi ausgebaut=> keine Hilfe

    Der Solarstrom (also Photovoltaik) produziert bei der Herstellung eine massive Menge chemischen Abfall, der hat keine(!) Halbwertszeit und findet momentan in der öffentlichkeit keine Beachtung.

    Da bleiben nur noch Wärmepumpen und Windkraftwerke. Gegen letzteres sind ja sowieso wieder die ganzen Grünen, da ja die Landschaft versaut wird. Die Schweiz hat aber schon den Deutschen recht viel Geld gegeben, damit wir auch einen Teil des Stromes bekommen der in der Nordsee produziert wird.

    Die Wärmepumpen sind aber auch nicht immer ganz unbedenklich. Je nach Bauart können Erdwärmepumpen die Pflanzen in der Nähe der Pumpe so beeinflussen, dass sie bis zu einen Monat später blühen (die haben förmlich zu kalt). Man kennt also noch nicht alle Folgen.

    Das mit der Kernfusion ist schon eine tolle Sache, da der Abfall nicht giftig ist. Aber leider ist diese Technologie nicht vor 30 Jahren Marktreif.

    Momentan ist also von mir aus gesehen Atomstrom der grünste und billigste den wir in der Schweiz überhaupt noch produzieren können. Im Moment kaufen wir ihn ja von den Franzosen ab, also müsste keiner ein schlechtes Gewissen haben, wenn wir ihn selber machen...

    Ich weiss ich bin auch ein bisschen einseitig, aber so sieht es nun mal von mir aus gesehen aus.

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  5. Lieber Mathias.
    Abfälle aus der Herstellung und Entsorgung von Solarzellen sind ein Problem, dass es zu lösen gilt. Es gibt mittlerweile Techniken, Solarzellen zu recyclen, und es gibt Möglichkeiten, die anfallenden Abfälle zu behandeln, halt mit entsprechend hohem Aufwand. Es gibt nebst Siliziumzellen andere Techniken, denen fehlt es noch an Effizienz.
    Aber verglichen mit der Entsorgung von atomaren Abfällen (garantierte Sicherheit sicher für mehrere 10'000 Jahre, ist weltweit nach über 50 Jahren Forschung ungelöst!) und mit den potentiellen Gefahren, die Atomenergie mit sich bringt, sind die Probleme der Solaranergie Peanuts, nicht der Rede wert.
    Klar, dass das im AKW Leibstadt nicht so erklärt wird.

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  6. Das stimmt so nicht. Die Abfälle die bei der Herstellung von Solarzellen (nicht die Solarzellen selber) entstehen werden in Stollen entgelagert wie Atomabfälle auch, der Unterschied ist nur, dass der chemische Abfall nicht strahlt.
    Zuden haben Wissenschaftler schon lange geeignete Standorte gefunden die lange genug sicher sind um strahlende Abfälle zu lagern.

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  7. Mathias, wo bitte sind die geeigneten Standorte, die zigtausende Jahre sicher vor Wassereinbruch und geologischen Veränderungen sind? Das ist genau das Thema des WDR-Beitrag, der oben verlinkt ist. Ich empfehle dir, den mit kritischen Blick anzusehen. Beispiel: eine Eiszeit, wie sie vor nur 10'000 stattgefunden hat, würde Hunderte Meter tiefe Gräben ziehen, wenn der Graben nicht gerade das Endlager durchrüttelt, würde es doch die Geologie tüchtig durchrütteln.

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  8. Es gibt heute schon Stollen die mehr als tausend Meter tief sind, das wäre kein Problem. Hab da mal eine sehr gute Seite gefunden:
    http://www.buerger-fuer-technik.de/body_endlager_argumente____.html

    Nicht vergessen, Journalisten sind auch nicht perfekt, das hab ich schon ein paar mal erlebt.

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  9. Ergänzung Bericht Tagesschau. Zitat: «Mir ist schlicht keine saubere Uran-Quelle bekannt.» Und wir reden da noch nicht mal von Entsorgung, sondern Beschaffung von Uran.
    http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2010/11/19/Schweiz/Axpo-bezieht-weiter-Uran-aus-umstrittener-Anlage-in-Russland

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  10. Da hast du natürlich mit dem Sand fürs Silicium der Solarpanele Schwein gehabt ;-)
    Aber noch zum Vergleich: Die Fläche die zerstört wird durch Uranabbau ist immer noch nur ein kleiner Bruchteil dessen, was für die Beschaffung von Kohle benötigt wird.

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