Montag, 27. Dezember 2010

Kommentar "Arbeitsgruppe Christen und Energie"

Die "Arbeitsgruppe Christen und Energie" (kurz ACE) hat sich die Verknüpfung Energie und Ethik auf die Fahne geschrieben. Energiegewinnung ist mit Risiken behaftet. "Friede, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung" ist ein entscheidender Leitsatz.

Nach kurzem Studium fällt mir auf, dass sich die ACE darauf beschränkt, die Kernenergie zu verteidigen. In drei von zehn Thesen wird Kernenergie namentlich genannt! Alternative Energieformen werden erwähnt, aber verniedlicht. Die ganze Plattform dient dazu, Vorteile und Unbedenklichkeit der Kernenergie zu nennen. Ein paar Schwierigkeiten werden zwar dargelegt, aber in der Beurteilung als "technisch gelöst" eingestuft.

Dies, meine Herren (Anm.: der Vorstand besteht nur aus Männern), ist nicht neutral, nicht konfessionell und schon gar nicht politisch! Es beschleicht mich das Gefühl, dass die ACE im Auftrag von Energiekonzernen handelt. Das Attribut "christlich" scheint eingestreut, denn Christen neigen dazu, Meinungen von Mitchristen unkritisch zu übernehmen. Sie bieten keine ethische Auseinandersetzung mit Energie, sondern versuchen, Kernenergie christlich "reinzuwaschen".

Ihr Aussagen in "Kernsätze 2009 - "Warum es eine baldige AKW- Volksabstimmung braucht"
  • dass AKWs hierzulande sicher betrieben werden
  • dass die Entsorgung der nuklearen Abfälle als technisch gelöst betrachtet werden kann.
zweifle ich grundsätzlich an.

Meine bescheidene Meinung:
  • Die Gewinnung und Aufbbreitung von Brennmaterial ist mit menschlichem Leid und Umweltzerstörung verbunden, auch für unsere Kraftwerke. (Berner Zeitung 20.12.2010) "... Das heisse, dass Uran aus fragwürdigen Quellen stammen könnte". Dies halte ich für das kleinste und einzig lösbare Problem
  • Die Endlagerung von hochradioaktiven Abfällen mit einer Halbwertszeit von mehr als 30'000 Jahren ist bislang ein ungelöstes Problem. Es gibt keine Endlager bisher! Die Vorstellung, ein für mehrere 100'000 Jahre sicheres Endlager zu erschaffen, ist schlichtwegs eine menschliche Selbstüberschätzung.
  • Gefahren: der Unfall von Tschernobyl ist bald 25 Jahre her. Über Ursache und Folgen gibt es nicht viel zu sagen, ausser dass nur mit immensem Aufwand  eine noch grössere Katastrophe von kontinentalem Ausmass verhindert wurde. Die Sicherheitstechnik hierzulande ist wesentlich besser; die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses ist enorm klein, aber möglich. Das schwächste und zugleich stärkste Glied ist der Mensch, Unfälle können passieren, aus Unachtsamkeit oder aus Vorsatz.
Friede, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung ist in der Kernenergie nur schwer zu erkennen.
    Die These "Nukleare (kernphysikalische) Energie aus dem Innern der Sonne ermöglichte die Entstehung und die Entwicklung der Organismen auf der Erde bis hin zum Menschen" ist richtig, aber fehl am Platz. Gott hat die Sonne und die kernphysikalischen Vorgänge im Griff. Wir auf der Erde haben die Kernenergie nicht im Griff!

    Kommentare:

    1. endlich mal jemand der klartext reden kann.....

      AntwortenLöschen
    2. Inzwischen hat die ACE ihre Thesen auf neun reduziert und die Kernenergie kommt nur noch in einer namentlich vor.

      Mir ist die Seite dieser Arbeitsgemeinschaft Ende 2010 auch aufgefallen und mich beschlich beim Lesen dasselbe ungute Gefühl: Da wird eine PR-Arbeit mit dem christlichen Mäntelchen eingekleidet und im Hintergrund von den treibenden Kräften in Sachen Kernenergie gesponsert.

      Seltsam ist auch die Auswahl der angebotenen Links: Diese reichen - mit etwas Goodwill - von neutral bis stark pro Kernenergie. Von ausgewogen kann da keine Rede sein!

      AntwortenLöschen