Samstag, 22. Oktober 2011

My Journey Tag 2 - HIV-Prävention

Gastbeitrag von Sandy Bürgin

What a day. Ich kann es kaum beschreiben. Nach der 1. Nacht hier im Hotel haben wir uns heute auf den Weg begeben zum WorldVision Büro hier in Mymensingh. Leider etwas zu spät angekommen (mitten in der Andacht die Sie jeden Tag haben). Wir lernten alle Mitarbeiter, die verantwortlich sind dafür kennen, und die haben uns anhand einer Präsentation vorgestellt, wie es hier mit den Erkrankungen, HIV, Hepatitis, etc. aussieht. Ebenfalls die Statistik, wie sie sich verändert, seit dem WorldVison sich dafür einsetzt.

Nach einem Snack sind wir losgezogen.
Erster Halt, Slums von Mymensingh. Wir wussten gar nicht recht wo hin es geht. Und nach dem was wir gestern alles gesehen haben auf dem Weg hier hin haben wir gedacht wie schlimm die hier leben, aber was wir hier in den Slums gesehen haben übertrifft alles. In den Gassen zwischen diesen Baracken stehen hunderte Kinder, die Leute Kochen auf dem Boden, draussen, drinnen, jedesmal wenn man in eine Baracke sieht sind sie am arbeiten, auf dem Boden, auf dem Bett. Mehr gibt es nicht.

Nun wurden wir eingeladen in ein „Haus“ wo 4 Mädchen auf dem Bett sassen und uns empfangen haben.

World Vision erzählt und lernt diesen Kindern hier in den Slums (nicht nur den Kindern) wie man sich schützen kann vor all diesen Krankheiten. Wöchentlich besucht WV die Slums. Anhand von Büchern, mit eindeutigen Bildern und echten Fotos, beschreibt WV die erkrankungen, wie man sich davor schützt, wie man damit umgeht etc.

Jeder von uns hat eines dieser Mädchen danach „Interviewt“, natürlich mit einem Dolmetcher.

Ich sass also da auf diesem Bett, mit diesem Mädchen, (Marc und Andreas waren auch dabei). Sie war 20 Jahre alt, lebte da drinnen mit ihrem Bruder und Ihrer Mutter. Der Raum war gerade mal HÖCHSTENS 3x2 Meter gross. Das war die ganze Wohnung. Das Bett gilt Tagsüber als Tisch/Sofa/was es gerade braucht. Und wir Gäste durften sogar darauf Platz nehmen. Die Wände waren rundherum mit Zeitungspapier abgedeckt, das Dach war keine 2 Meter hoch und war aus Wellblech. Da hing doch tatsächlich eine Weltkarte an der Decke, auf die Frage hin ob die aus einem bestimmten Grund hier hängt und sie weiss was das ist hat Sie gesagt: Wenn die Sonne auf das Wellblech scheint kühlt ein stück Papier das ganze etwas ab, und auf dieser Karte sei BANGLADESH (dass die ganze Welt darauf zu sehen war ist ihr nicht bewusst).

In diesem Moment, als ich da drinnen war, mir trotz Deckenventilator der Schweiss runter lief und Sie mir erzählte dass Sie hier zu dritt schlafen, genau in dem Moment hatte ich schwerstens zu Kämpfen. Als wir durch diese Gassen gingen am Anfang fragte mich ein WV-Guide ob es mir was ausmacht hier durch zu gehen, und ich sagte ganz klar nein, aber in diesem Moment wurde mir alles erst so richtig bewusst.

Es gibt ca. 1000 „Zimmer“ in diesen Slums. Davon gibt es gerade mal 3 WC’s verteilt auf all diese Leute. Sagen wir mal, da leben Durchschnittlich zwischen 4000 und 5000 Leute, auf 1000 Wohnungen verteilt, die jeweils eine Grösse von 2x3 Meter haben und im Ganzen 3 WC’s! Ich kann es nicht fassen.

Trotzdem, die Wärme, die Offenheit, die Ausstrahlung dieses wunderhübschen „Mädchens“ werde ich nie vergessen. Auf die Frage hin, was sie sich wünschen würde wenn sie 3 wünsche Frei hätte, hat sie gesagt: „einen Job, damit Sie ihre Familie ernähren kann“. (Kein Geld, kein Haus, keine Auto, nein, ….einen Job)

Viele Leute, besonders Kinder haben uns in den engen Gassen abgefangen, sie wollten uns anschauen, uns hallo sagen, uns die Hand geben, Es ist unglaublich. Wir wurden von einer riesen Menge Kinder und auch Erwachsenen zum Auto begleitet, und das kleine Blondi (also ich) war wiedermal eine Attraktion wert. Auch mein Augbrauenpiercing hat die Kids voll fasziniert. Viele Leute, auch schon ganz kleine Kinder haben aus religiösen Gründen ein Nasenpiercing…hm, die haben sich wohl gewundert welcher Religion ich angehöre ;)

Ab ins Taxi und weiter ging’s zur nächsten Station. Ebenfalls eine Art Slums, wo jedoch die Häuser etwas Grösser waren.

Danach besuchten wir noch einen Rikschaafahrer, wir durften auch bei Ihm in sein „Haus“. Ebenfalls Slums, jedoch in einem anderen Gebiet.

Ich dachte da steht ein Tisch in dem Raum, musste dann mit Schrecken erfahren dass auf diesem „Holztisch alias Bett“ seine 3 Söhne schlafen. Er und seine Frau direkt daneben auf dem Boden. Mehr war da nicht, das war Ihr Haus, selbst gebaut, geflochtenes irgendwas mit Wellblechdecke.

WorldVision berichtet ebenfalls in diesem Gebiet über die Erkrankungen. Seit 2004 startete WorldVision diese HIV-Provention. Damals nutze genau 1% Kondome. Heute sind es immerhin bereits 30%! Aber das Team hier ist sich bewusst dass ihnen noch einiges bevor steht. In dem Team sind 2 Ärtzte mit dabei. World Vision schult nicht nur die Leute und Kinder direkt, sondern ebenfalls Lehrer und weitere Freiwillige. So wie auch dieser Rikschafahrer. Er gibt das ganze weiter in seinem Gebiet, und wenn jemand Anzeichen an eine dieser Krankheiten hat, meldet er sich einfach bei dem Rikschafahrer, der dann die Ärtzin von WorldVison weiterleitet, ohne dass das ganze Umfeld darüber informiert wird. Auch er hat all diese Bücher, Bilder Fotos etc zur Verfügung um einfach aber klar das Ganze zu Erleutern.

Nach diesem Besuch dieser Familie sind wir zurück zum WV-Office gefahren wo wir dann unseren liebevoll zubereiteten Lunch hatten. Sehr freundlich und offen ist das Bangladesh-World-Vison Team.

Andere Länder, andere Sitten, Handfood war angesagt, zumindest für die Einheimischen ;)

Weiter gings, ab in eine Rikschagarage, wo eine Menge Männer, halt eben alles Rikschafahrer versammelt waren. Die hatten alle ihre Schicht zu Ende, oder eben gerade Pause und nahmen an der HIV-Präventation teil. Anhand mehrer Kurzfilme wurde Ihnen alles erklärt, erläutert etc. Die Filme wurden speziell dafür gedreht und ebenfalls die „Schauspieler“ sind Bangladescher.

Nach den Kurzfilmen wurden die Teilnehmer einzeln abgefragt und Punkte wurden verteilt wenn die Antwort richtig war. Danach gab es auch kleine Preise für den, der am meisten gewusst hatte, die Preise durften wir dann überreichen.

Danach gingen wir in ein HopeCenter was durch WorldVision unterstützt ist. Wir kamen die Treppe hinauf und oben standen Kinder die uns mit Blumenblüten empfangen haben. Als wir in den sehr kleinen Raum reingekommen sind sassen da ca. 30 Kinder in einem Kreis auf dem Boden und sangen im Ankord: „welcome welcome welcome welcom….“ Supersüsse Kinder zwischen 2 und 6 Jahre alt. Die Lehrerin stand in der Mitte. Danach haben die uns verschiedene Lieder vorgesungen und englische Sprachspiele aufgeführt. War super süss. Ihr hättet die kleinen sehen sollen, voller Energie, super fröhlich, einfach unglaublich dieses Funkeln in den Augen. Nun kommt der Hammer, diese Kinder sind tagsüber in diesem Center (Tagesstätte) weil ihre Mütter Prostituierte sind und tagsüber keine Zeit für die Kinder haben.

Wir haben Ihnen noch Kleinigkeiten verteilt, Stifte, Spielsachen, etc, Dinge die wir von uns mitgebracht haben.

Danach sind wir 2 Blocks weiter gelaufen und da war ein Eingang wo gross darüber ein riiiieeeeeeeeesen Kondom hing. Was da alles stand konnten wir natürlich nicht lesen, aber wir fanden es lustig…..bis….wir an dem Tor vorbei gelaufen sind. Wir standen da plötzlich in einer „eigenen kleinen Stadt“ die aus einer Strasse bestand. Ja, es war der Strich. Da sassen, standen links und rechts alle Prostituierten und überall gab es Essensstände und Hinterhöfe und und und. Das waren also die Mütter der Kleinen im Center nebenan. Auch sehr viele Männer waren da, die assen, tranken, hatten diese Stände, und gingen zu den Frauen. Das war wie eine andere kleine Welt….und wir gingen einfach mittendurch und jeder hat uns angestarrt. Ich hab mich noch selten so unwohl gefühlt. Die Mädchen (und die waren oft seeeehr jung) waren alle total zu fest geschminkt, oft auch ziemlich zugedröhnt (so kam es mir auf jedenfall vor) und…ich kann gar nicht darüber richtig schreiben, ich glaube dieses Erlebniss muss ich zuerst verdauen.

Die Arbeit von WorldVision hier besteht ebenfalls darin die Leute aufzuklären über alles….jetzt wissen wir auch warum am Eingang ein 3 Meter grosses Kondomschild ist.

Zurück im Hotel, noch einmal alles durch den Kopf gehen lassen. Ich glaube ich habe mehr als die Hälfte nicht geschrieben. Das waren so viele Eindrücke an einem Tag, und was für welche. Wenn ihr fragen habt, meldet euch bei mir, fragt mich einfach.

Fazit: Es ist unbeschreiblich, unglaublich. Gestern haben wir gedacht: boah, wie leben diese Leute, das gibt’s ja gar nicht, und trotzdem sehen diese Leute 10 mal glücklicher aus als wir.

Heute kam alles ganz anders, wir haben das tiefste Level gesehen was man glaub ich sehen kann, hoffe ich zumindest. Und trotzdem, diese funkelnden Augen, diese wärme, eine unbeschreibliche Ausstrahlung die ich nie vergessen werde und mich zu tiefst beeindruckt. Ich bin gespannt auf morgen, wir besuchen diverse Familien.

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