Freitag, 28. Oktober 2011

MyJourney - Bootsfahrt der Gegensätze

Die lokale Organisation von WorldVision hat uns heute Freitag zu einer Bootsfahrt eingeladen. Wir, die wir mit WorldVision Schweiz da zu Besuch sind, haben die Fahrt als Auszeit sehr genossen. Ich sass lange Zeit alleine auf dem Heck des Schiffs und konnte meinen Gedanken nachhängen. Es sind mir zu dem Land, zu dem Tag heute, zu den Menschen viele Gegensätze eingefallen. Im Moment stehen wir zur Rushhour (trotz freiem Freitag) im Stau, und ich habe Zeit, die Gedanken zu sammeln. Ein paar Gedanken ohne näheren Zusammenhang.

Ein Gegensatz wurde kürzlich beschrieben: einerseits versucht die Schwerindustrie das Land auf ihre Art zu entwickeln, verschmutzt aber damit die Lebensader vieler Menschen, indem sie die Lebensader, das Wasser unbrauchbar macht.

Abwechslungsweise hat sich das Bild während der Fahrt verändert, denn oft sind starke Gegensätze am linken und rechten Flussufer zu sehen.
- auf der einen Seite die umweltzerstörende Schwerindustrie, auf der anderen Seite grünes Land
- auf der einen Seite Pärke und Villen, auf der anderen Seite Leute , die neben Abfallbergen im Fluss baden.
- unser Besuch vom vormittag, wo sie sauberes Wasser haben, und Leute, die auf dem Boot leben und sich Wasser aus dem Fluss in den Mund schaufeln.

Trotz all diesen scheinbar unlösbaren Problemen haben die Leute, die wir kennen lernen durften, eine unglaubliche Lebensfreude. Mehrmals haben wir Explorer die Frage gestellt, was denn das Geheimnis ihres Glücks sei. Die Antwort heisst immer etwa "die Sorgen weglegen". Die Situation ändert sich nicht, indem man sich Sorgen macht. Lächle, und es geht dir besser. Wie viele sind bei uns zufrieden? Ich wollte, ich könnte etwas von der Zufriedenheit, von der Freundlichkeit der Menschen hier mit nach Hause bringen und verteilen.

Nirgends wie hier habe ich das urchristliche Prinzip "Geben ist seliger als Nehmen" erfahren. So wenig die Leute haben, sie würden für einen Gast das letzte Hemd geben. Nicht, um eine Gegenleistung zu heischen, sondern um jemandem etwas Gutes zu tun. Und das glaube ich voll und ganz!

Und noch ein Gegensatz zum Nachdenken: in den Slums hatten wir rasch einmal das Vertrauen, unseren Rucksack mit Pass, Portemonnaie und iPad mal zwei, drei Minuten unbeaufsichtigt stehen zu lassen. Der wurde als Eigentum respektiert und weder von Kindern noch Jugendlichen noch Erwachsenen neugierig beachtet. Der Gegensatz: wir sind in einem recht guten Hotel untergebracht, sauber, aufmerksames Personal, freundlicher Direktor, ein vertrauenswürdiger Ort. Und doch erwischte Roshi einen Angestellten, der ihren Rucksack durchwühlte. Mein persönlicher Fühler, wem ich Vertrauen kann, wird im Moment völlig neu geeicht.

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