Donnerstag, 26. Mai 2011

Ausstieg aus der Kernkraft: Geht nicht gibt's nicht!

Gestern hat der Bundesrat beschlossen, keine neuen Kernkraftwerke mehr zu bauen.

Sofort wurden Stimmen laut, das gehe nicht, Stromlücke, Technologieverbot, Volksentscheid auf der rechten Seite, auf der links-grünen Seite zu lahm, zu unkonkret und so weiter. Es ist sehr einfach, sich als Kritiker zu profilieren, man muss sich nicht in ein Thema einarbeiten, kann erst noch laut schreien, was für ein Wahlkampf von Vorteil ist. So funktioniert es nicht, das ist zu einfach und zu lahm.

Was ist das grösste Risiko? Dass tatsächlich eine Stromlücke entsteht, weil man statt vorwärts zu machen nur seine Positionen betoniert und so wertvolle Jahre und Jahrzehnte verloren gehen.

Wir stellen wir uns eine Riesenaufgabe, die ein paar Risiken mit sich bringt, aber meines Erachtens noch viel mehr Chancen bietet, als wir uns auf den ersten Blick erkennen. Denn für jedes KKW, das nicht gebaut wird, werden einige Milliarden Franken Investitionsgelder frei, mit denen wir hier an der Zukunft unserer Energieversorung bauen können. Es werden unzählige Arbeitsplätze geschaffen mit Mitteln, die beim Einkauf von Kernkrafttechnik sonstwohin abfliessen würden. Wenn wir es richtig machen, ziehen wir im selben Atemzug Alternativen zu den fossilen Energieträgern mit.

Liebe Leute, wir haben eine einmalige Chance, den Standort Schweiz als Wirtschaftsstandort, als Technikstandort und als Lebensstandort an der Spitze zu halten resp. an die Spitze zu bringen, wieder einmal ein Leuchtturm für die Welt zu werden. Nehmen wir die Aufgabe wahr, profitieren alle davon. Jeder hat seine Kompetenzen, die er einbringen kann. Ich wage mal, sehr vereinfacht die Aufgaben zu verteilen:

FDP / Wirtschaftsverbände
Ihr seid das wirtschaftliche Gewissen! Es muss ein gesunder Wettbewerb entstehen, die Kämpfe sollen auf der Ebene "meine Technologie ist besser als deine" gefochten werden und so die Technologien gegenseitig zu Höchstleistungen gepeitscht werden. Dies haben wir in der Geschichte, besonders im Wasserkraftwerkbau, mehrfach bewiesen, das können wir immer noch und noch viel besser.

Grüne und Umweltverbände
Ihr seid das Umwelt-Gewissen! Ihr habt euch in den letzten Jahrzehnten sehr viel Know-How erarbeitet, ihr wisst, wie man Projekte nachhaltig und umweltverträglich gestaltet. Lenkt die Projekte. Die Devise lautet unbedingt: verbessern, nicht verhindern! Seid von Anfang an dabei und gebt euer Wissen dazu! So wird wertvolle Zeit gewonnen!

SP / Gewerkschaften
Ihr seid das gesellschaftliche Gewissen! Wir werden innerhalb kurzer Zeit  viele Leute brauchen, die etwas von erneuerbaren Energien verstehen, diese Leute müssen ausgebildet werden, evt. im Ausland rekrutiert werden. Sorgt dafür, dass sich die Leute wohl fühlen und sich gerne für ihre Aufgabe einsetzen.

SVP
Ihr seid das heimatliche Gewissen! Sorgt dafür, dass die Energiewende hierzulande geschieht. Auch wenn einkaufen der Technologie (oder Energie) auf den ersten Blick günstiger erscheinen mag, ist die Wertschöpfung mittel- und längerfristig wesentlich grösser und besser, wenn wir uns das Know-How erarbeiten und später bessere Produkte weltweit verkaufen können. Global denken, lokal handeln.

CVP / EVP
Ihr seid das vermittelnde Gewissen! Als Kräfte der Mitte habt ihr die Aufgabe, die verschiedenen Talente zur Zusammenarbeit zu bewegen. Klopft den Leuten auf den Hinterkopf, wenn sie statt Lösungen zu suchen sich gegenseitig bekämpfen.

Also, Schweizer, ans Werk! Die Geschichte erinnert sich nicht, wer etwas verhindert hat. Die Geschichte schreibt über Leute, die etwas erreicht haben.

Mittwoch, 11. Mai 2011

Anna Rossinelli im ESC-Finale!

Heute sind wir gut 7.5 Millionen Musik-Experten!



Zugegeben, ich habe gerade mal zehn Minuten der Show von gestern gesehen, einen Teil des Beitrags der Türkei und den von Serbien. Kein vollständiges Bild. Es freut mich einfach ungemein, dass "In Love For A While" unserer Anna Rossinelli die Hürde geschafft hat.

Ich mag mich erinnern, wie das Schweizer Fernsehen diktatorisch die Interpreten bestimmt hat. Damals (2005) mit Vanilla Ninja hatten sie ein glückliches Händchen, "Cool Vibes" ging mit einem Achtungserfolg nach Hause.

2007 die Sensation: DJ Bobo soll für die Schweiz gewinnen! Klar, der kann das, der wird die anderen so etwas von der Bühne fegen.... und dann kam "Vampires Are Allive", die etwas die Morbidität des Vohrjahressiegers aufnahm (Kopiere den Vorjahressieger (Lordi)! Also ob das jemals geklappt hätte). Schuld am grandiosen Desaster war natürlich die Ostblock-Mafia und nicht der besch....eidene Song.

Nicht besser ist des den anderen Grössen Lovebugs oder Michael von der Heide ergangen.

Doch dieses Mal gab es eine Vorausscheidung! Viele gute Songs wurden zusammengetragen (Der Twittersong "When All Tweeps Tweet" war ursprünglich auch dafür gedacht) und Anna Rossinelli als Vertreterin gewählt. Wie weit wäre wohl "Vampires" oder "Il pleut de l'or" da gekommen?

Was lehrt uns das Beispiel? Demokratische Entscheide der breiten Masse aus einer ebenso breiten Auswahl führen am ehesten zum Erfolg.

Dienstag, 10. Mai 2011

E-Bike macht Panne

Bild: http://velowerni.ch
Intensives E-Bikefahren hat mehrere Auswirkungen. Eine davon ist der Zustand des Fahrzeugs. Nach 4'000 km ohne Unterhalt (bis auf die Bremsblöcke) kann es sein, dass sich ein Bauteil aus Altersschwäche verabschiedet.


So geschehen gestern auf der Heimfahrt, als die Kette ruckartig aus dem Leben schied.

Fazit:
  • Fussmarsch (mit trottinett-artigen Einlagen) zum Servicetechniker
  • Anklopfen um die Ladenschlusszeit
  • Sofortreparatur macht keinen Sinn, also Fahrzeug da lassen und anderes mieten
  • Der längst überfällig, eigentlich geplante, aber herausgeschobene  Service muss in den vollen Kalender des Technikers gepresst werden, weil er das Mietbike wieder braucht
  • Das Mietbike ist eigentlich zu klein, .... aber egal.
  • Die etwas spitzen Kommentare des Technikers sind völlig angebracht.
Zur Krönung: das andere motorlose Velo ist bei einem anderen Techniker im Service, und der lässt sich Zeit.
Am Donnerstag werde ich mein frisch geservictes Bike wieder fahren können. Den Sondereinsatz muss ich unbedingt irgendwie honorieren. Da fällt mir schon noch etwas ein.

Der Servicetechniker meines Vertrauens ist Stebi's Check Point, Burgistein-Station.


Montag, 9. Mai 2011

"Time to say goodbye"

Es war ein Tag im September 2006. Ich verliess überhastet ein Apéro, um ihn in Empfang zu nehmen: meinen Renault Twingo, damals schon 10 Jahre alt, mit reichlich Staub auf dem Armaturenbrett, dafür sehr preisgünstig.
Bild, entstanden letzes Jahr, als Versuch der HDR-Fotografie
Es hat Spass gemacht, mit ihm zu fahren. Mit 55 PS absolut keine Rennmaschine, hat er mich immer sicher ans Ziel gebracht. Mit Vorsicht habe ich es geschafft, den Verbrauch unter 6 Liter/100 km zu halten.
Klar, wie es so ist bei älteren Herren, da geht nicht mehr alles ganz rund, hier tropft es, da klemmt etwas. Ein ordentlicher Getriebeschaden, ein sich verabschiedender Auspuff, ein Anlasser, den man manchmal mit Schlägen an seine Aufgabe erinnern muss... er war halt wirklich nicht der Jüngste.

Und dann kam der Februar 2011, als der Chef sich entschieden hat, lieber zwei statt vier Räder zu nutzen. Ich mache so gute Erfahrungen  mit dem E-Bike, dass wir auf den Twingo als Zweitauto  verzichten können. Klar, es wird in Zukunft Situationen geben, wo wir froh wären um ein zweites Auto, aber diese einzelnen Male rechnen sich nicht.

Nun heisst es also, ein neues Plätzchen suchen für den Twingo. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, was klüger ist: Schrottplatz oder ein drittes Leben. Falls jemand Interesse hat, darf man mich gerne anschreiben. Über den Preis würden wir uns sicher einig.

Mittwoch, 4. Mai 2011

Offener Brief an Erich Hess

Andreas Aerni
3132 Riggisberg

Herrn
Erich Hess
Präsident JSVP
Postfach 6803
3001 Bern

Riggisberg, 4. Mai 2010


Werter Erich!

Ich erlaube mir, dich mit Vornamen anzusprechen. Ich denke, als Vertreter einer Jungpartei sowie als Chauffeur wirst du das schätzen können.

Dein Text auf der Site der JSVP und die Kopie davon in der NZZ haben mich gelinde gesagt hässig gemacht. ich darf zitieren:
"Die nachfolgenden Gruppen bringen der Volkswirtschaft wenig und belasten das Sozialsystem überdurchschnittlich:
- Arbeitslose Ausländer: 75‘000
- Ausländische Sozialhilfeempfänger: 100‘000
- Asylsuchende: 18‘000
- Vorläufig Aufgenommene: 23‘000
- Illegale Aufenthalter: 200‘000
- Gesamt: 416‘000
Sie alle verbrauchen in der Schweiz Strom und tragen gleichzeitig dazu bei, dass der Stromverbrauch steigt und die Preise für den Strom immer teurer werden. Gemäss Bundesamt für Energie liegt der Pro-Kopf-Stromverbrauch momentan bei knapp 8‘000 kWh, die Tendenz ist deutlich steigend. Rechnet man den aktuellen Pro-Kopf-Stromverbrauch der 416‘000 oben genannten Ausländer zusammen, so kommt man auf 3,3 Milliarden kWh. Die Jahresproduktion des KKW Mühleberg beträgt 3 Milliarden kWh."
Es ist klar, dass du als bildungsferner Chauffeur - darum umso volksnaher SVP-Politiker - gewisse Mühe hast, mit Zahlen umzugehen. Jeder soll seinen Job machen, so gut er kann. Ich kann nicht mit Lastwagen umgehen und lasse es bleiben, bin aber absolut auf das Transportgewerbe angewiesen. Gerne lasse ich mir bei Gelegenheit etwas über Maschinen erzählen, aber zuvor möchte ich dir etwas über Zahlen erklären.

Wenn du irgendwo einen Text siehst, in dem steht "5 Polizisten" und "10 Männer" muss das nicht heissen, dass es sich um 15 Personen handelt. Es kann sein, dass die Polizisten gleichzeitig Männer sind. Erinnere dich an die dritte oder vierte Klasse zurück, da hattet ihr im Rechnen das Thema "Schnittmengen".
Darum darfst du nicht einfach alle "Arbeitslosen", "Sozialhilfeempfänger" und "Asylsuchende" zusammenzählen. Diese drei Gruppen zusammen sind nicht 193'000 Personen, sondern eher 100'000. In der Schule kriegst du maximal die Note 3.0 dafür.

Jetzt wird es ein bisschen schwieriger: du hast ganz richtig ausgerechnet, dass der Stromverbrauch pro Kopf etwa 8'000 kWh pro Jahr beträgt. Dies beinhaltet den Verbrauch daheim und auf der Arbeit (inklusive Verwaltung, Dienstleistungen, Industrie, Bahnverkehr etc.). Die Ausländer, die du vor die Tür stellen willst, sind alle arbeitslos und können somit keinen Strom auf der Arbeit nutzen.

Dann hast du noch gesagt, dass die Tendenz des Pro-Kopf-Stromverbrauchs deutlich steigend sei. Im Jahr 2009 wurden in der Schweiz insgesamt etwa 67'000 GWh Strom verbraucht, im Jahr 2010 waren es noch 64'000 GWh. In diesem Zeitraum hat die Bevölkerung um 80'000 Personen zugenommen. Dies nennt man "sinkende Tendenz". Die Tendenz des Gesamtstromverbrauchs ist möglicherweise steigend, weil die Bevölkerung wächst.

Stell dir vor, lieber Erich, wir setzen deine Idee um, schaffen alle genannten Ausländer aus, schalten Mühleberg ab, und dann flackert bei deinen Parteigspänli das Licht. Ich als Ingenieur kann mir solche Fehlrechnungen nicht erlauben, sonst bin ich meinen Job los. Vielleicht ist das bei dir als Politiker und Chauffeur anders.

Liebe Grüsse und einen flotten Wahlkampf!
Dein Andreas

Quellen: 
NZZ - Ausländer ausschaffen spart Strom
Daten (exkl. Ausländerstatistik) Bundesamt für Statistik