Freitag, 11. November 2011

Meine Gesundheit für die Gesundheit anderer

MyJourney ist für mich vorbei. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, das WorldVision nachhaltige Arbeit leistet. Darum wird mein Engagement für WorldVision weitergehen. Und: Im Vorfeld zur Reise nach Bangladesch haben ein paar Leute gefragt, wie sie denn mitmachen könnten.

Im laufenden Jahr ist bei mir in Sachen Gesundheit viel passiert. Ich nutze fast ausschliesslich Velo / E-Bike, wurde 20 kg leichter und fitter. Ich kann ohne Qual joggen . Mein grosses Ziel ist der Strongman Run 2012.

Mit Team World Vision habe ich die Möglichkeit, aus Volksläufen Sponsorenläufe zu machen.
Wasser ist vielerorts auf der Welt ein Problem, sei es, weil es zuwenig hat; sei es, weil es verschmutzt ist. Ich habe die Probleme und Lösungen mit eigenen Augen in Bangladesch gesehen (siehe "Wasser als Lebensgrundlage")  und im WorldVision-Werbespot (siehe unten) erklärt.

Mein erster Lauf ist der Silvesterlauf Zürich am 11. Dezember.

Jetzt bist Du dran! Sorge dafür, dass viele Leute Zugang zu sauberem Wasser haben! Bringe ein paar Kinder zum Lachen! Wie? Vorschläge:
Flyer des Team World Vision

Open publication - Free publishing - More brunnen

Werbespot WorldVision - My Journey Bangladesch Tag 5

MyJourney - Eine Werbereise mit Spendengeldern?


Es gibt Fragen und Kommentare, die sind so gut, dass sie einen eigenen Blogpost verdienen. Herzlichen Dank an Phillippe Wampfler.
Ich möchte meinem Kommentar zwei Dinge vorausschicken: Ich finde Entwicklungshilfe enorm wichtig und habe die Nachrichten aus Bangladesh gerne gelesen. Ich stelle eine kritische Frage - meine das aber freundlich und bin ehrlich an einer Antwort interessiert.
Du warst also nun auf diesem »Myjourney«. Im Vorfeld habe ich in Bezug auf die Abstimmung schon gesagt, dass ich das für eine reine Marketing-Veranstaltung halte. Du hast damals entgegnet, du hättest eine Idee, mit der du den Leuten in Bangladesh wirklich helfen könntest. Meine Frage also: Denkst du, du hast den Leute in Bangladesh direkt helfen können? (Und mit »direkt« meine ich nicht die Gefühlsebene oder der Umweg über die Möglichkeit, dass WorldVision durch dich mehr Spenden erhält.)
Weiter gehe ich davon aus, dass die Reise von WorldVision bezahlt worden ist. Was würdest du jemandem sagen, der nach der Visionierung eines Werbespots im Fernsehen WorldVision kein Geld geben würde, weil er davon ausgeht, seine Spenden würden für die Finanzierung von Reisen von SchweizerInnen nach Bangladesh verwendet?
Ich danke schon im Voraus für eine Antwort.

Hallo Philippe

Du glaubst gar nicht, wie froh ich um kritische Fragen bin. Die ganze MyJourney-Sache hat sich bisher wie Friede-Freude-Eierkuchen angehört, denn die Reise hat bei mir einige Euphorie ausgelöst. Es war mir bewusst, dass ich irgendwann etwas Kritischeres loswerden muss, aber dafür musste sich die Euphorie etwas legen. Dein Ansporn kommt zur richtigen Zeit.

Das Projekt My Journey ist eine Marketing-Veranstaltung. WorldVision ist sich dabei seiner Sache sehr sicher. Sie wollen Transparenz! Wir Explorer sollen uns unabhängig ein Bild machen, wie ihre Arbeit funktioniert, was mit den Geldern passiert. Sie nehmen gut vernetzte Leute mit (ich wurde sicher nicht wegen meinen schönen Augen ausgewählt). Es gelten für uns exakt dieselben Regeln, wie wenn wir ein Patenkind besuchen würden. Damit bestand für WorldVision die Gefahr, dass wir kritisch, wenn nicht sogar negativ berichten würden. Wir waren völlig frei, was wir in unseren Blogs und Facebook und Twitter berichten, es gab keine Erwartungen an unsere Berichte. Die Interviews für die Werbespots sind authentisch, wir wurden nicht geschminkt, haben nur den Schweiss aus der Stirn geputzt. Die Texte in den Spots stammen von uns selbst, wenn auch zusammengeschnitten.


WorldVision darf seine Arbeit transparent darstellen! Es steckt sehr viel Herz und Menschenliebe darin; die Erfahrung ist spürbar, bei einigen Dingen merkt man, dass (wahrscheinlich aus Misserfolgen) gelernt wurde. Es wird immer eine nachhaltige Lösung gesucht. Zum Beispiel dauert ein Programm 15 Jahre, danach ist WorldVision weg, das Programm wird ohne fremde Hilfe weitergeführt. Hilfe bekommt eine Gemeinschaft, in der die Leute solidarisch zueinander schauen und ihre Errungenschaften oder ihr Wissen weiterverbreiten. Es wird oft mit Frauen gearbeitet, weil sie zuverlässiger sind und bei einem ersten Misserfolg nicht den Bettel hinwerfen. WorldVision arbeitet ausschliesslich mit Bangladeschern vor Ort, die ihre Firma nach unseren Massstäben inklusive Buchhaltung und Erfolgskontrolle führen. WorldVision ist deutlich christlich geprägt, hat aber einen grossen Anteil an muslimischen Mitarbeitern. Die christliche Nächstenliebe ist ein spürbar tragendes Element, doch es herrscht ein strenges Missionsverbot. Es ist ebenso streng verboten, die Behörden oder die Politik zu schmieren, weil dies immer nur solange funktioniert, wie die geschmierte Person an der Stelle sitzt. 

Patenkinder sind vorgeschoben. Unser Portemonnaie öffnet sich einfach bei grossen Kinderaugen leichter. Patenkinder geben Ihren Namen für die Sponsoren und halten den Kontakt aufrecht. Die Hilfe geht immer an eine grössere Gemeinschaft, Dorf, Region, halt auch wieder mit dem Gedanken, dass die Arbeit bestehen bleibt. Man mag diese Kinder als instrumentalisiert anschauen, aber angesichts der geleisteten Hilfe ist es ein kleines Übel. Die Kinder leiden nicht darunter, im Gegenteil, sie sind stolz darauf, Patenkinder zu sein.
Es gab anscheinend früher Hilfswerke, welche die Spendengelder direkt an ein Kind brachten, d.h. dessen Familie quasi mit Gold behängt hat. Sehr oft wurde die Familien aus dem Dorf geworfen. So funktioniert Entwicklungshilfe einfach nicht.

Nicht alles bei WorldVision-Arbeit ist eitel Freude. Da war der neue Leiter eines WV-Büros, der in seinem ersten Monat noch nie auf dem Feld war, sein Büro auf etwa 16° runterkühlt und davon ausgeht, dass die Leute im Slum uns bestehlen könnten und uns ihr Essen nicht schmeckt. Oder die internen Querelen, die man etwa mitkriegt, die sich meist um Schwierigkeiten in der Kommunikation oder mit den Kompetenzen einzelner dreht, wie sie halt in Firmen vorkommen. Der grundsätzlichen Qualität der Arbeit tun diese Punkte nicht weh. 

Direkt vor Ort Hilfe leisten konnte ich leider nicht, da hatte ich eine falsche Vorstellung. Ich habe das im Beitrag "Gewässer" bereits beschrieben. Es war unsere Aufgabe, zu beobachten, Fragen zu stellen, Kontakte zu schliessen, zu berichten. Ich muss nicht als "Fremder" den Leuten zeigen, wie "es" geht. Im Sinne der Nachhaltigkeit muss das (durchaus vorhandene) KnowHow von innen kommen. Übrigens genau darum sind die Stellen von WorldVision mit lokalen Entwicklungshelfern besetzt.

Helfen konnten wir indirekt. Wir konnten den Leuten unsere Aufmerksamkeit schenken, und sie wussten zu schätzen, dass wir uns mit ihnen auf Augenhöhe abgegeben haben. Wir konnten mit ihnen philosophieren, was Glück bedeutet und ihnen zeigen, dass wir Schweizer zwar mehr besitzen, aber deswegen keineswegs glücklicher sind. Und sie wissen, dass wir dank ihnen, ihren freundliche Gesichtern, ihren lachenden Kindern neue Sponsoren finden werden.

Schade, wenn die Leute meinen, dass WorldVision uns bezahlt. Es darf ja nicht sein, dass wir mit Spendengeldern eine "Ferienreise" machen und dann noch "unabhängig" darüber berichten sollen. Unsere gesamten Auslagen (Reise, Logis, Verpflegung) wurden von Weltbild bezahlt. Dafür steht in jedem Spot "Unterstützt von Weltbild", die Homepage wird mit einem Weltbild-Logo geschmückt. (die Rolle von BestWestern ist mir nicht bekannt). Einzig die Löhne der Mitarbeiter und Kosten des Filmteams (Irrtum vorbehalten) gehen zu Lasten von WorldVision. Also würde ich ungefähr dasselbe antworten wie dir auch, mit der Bitte, die Partner unten auf der Homepage zu beachten.


Ich hoffe, deine Fragen sind beantwortet. Sonst bitte ich dich, nachzubohren. Vielleicht finde ich dank dir den grossen Flecken im Reinheft, den ich suche. So wie ich die Arbeit von WorldVision erlebt habe, bin ich überzeugt, dass unsere drei Patenkinder gut versorgt sind.
 

Dienstag, 8. November 2011

MyJourney - Good morning Dhaka City

Dhaka City, 9.00h morgens. Der Verkehr rollt in Massen, zähflüssig wie immer, jede noch so kleine Lücke zwischen den Bussen wird mit einem Fahrrad oder einem Tuktuk gefüllt, die Hupen und Hörner dienen als Kommunikationsmittel; ein Riesenlärm. Auf den Trottoirs sind bereits die kioskartigen Allereliläden aufgebaut, mit Chips, Tee, Früchten, Schreinerwaren, Kleidern. Daneben kleine Werkstätten für Reparatur von Motorrädern, Rasiersalons und so weiter.

Kamal schläft um diese Uhrzeit noch. Er lässt sich vom ganzen Lärm nicht stören, und er kann es sich leisten, liegen zu bleiben. Der Verkehr stört in längst nicht mehr, er nimmt ihn kaum mehr wahr. Vermutlich würde er wesentlich unruhiger schlafen ohne den Lärm, es würde ihm fehlen. Seine Träume sind aber ganz woanders, fernab der grossen Stadt, irgendwo im Grünen, wo er mit seinen Lieben lebt und mit seinen Kumpels heissen Tee trinkt, debattiert und dem Geschehen zusieht. 

Es ist Zeit, aufzustehen. Kamals Bett ist hart, seine Knochen nicht mehr die jüngsten, darum nimmt er sich Zeit dafür. Er reibt sich die Augen, setzt sich hin und steht vorsichtig auf. Genüsslich streckt er erst linken Arm, dann den rechten Arm in die Höhe, steht dazu auf die Zehen, als möchte er den Himmel ergreifen. In seiner ganzen Zufriedenheit öffnet er den Kiefer zu einem langen Gähnen, um viel von der nicht so frischen Stadtluft in seine Lungen zu kriegen. Erst halbwach, reibt er sich diverse Stellen am Körper, die etwas jucken, und mit halboffenen Augen checkt Kamal die Lage um sich herum ab. Doch, alles sieht aus wie am Abend davor.

Kamal ist nun wach. Er packt sein Hab' und Gut zusammen und wird versuchen, irgendwo ein Frühstück zu finden. Auf welcher Verkehrsinsel er die nächste Nacht verbringen wird, weiss er noch nicht.

Diese Story ist Fiktion. Gesehen habe ich am morgen des 26.10.2011 bei der Vorbeifahrt den Mann, wie er von seinem Nachtlager, einer Verkehrsinsel  aufsteht, und sich nach allen Richtungen streckt und gähnt.

Dienstag, 1. November 2011

MyJourney - Bangladesh day 4

Gastbeitrag von Roshani Suter (Mo. 24.10.2011)

am morgen trafen wir uns wieder mit den leuten vom adp mymensingh. es regnete abermals blütenblätter und engel tanzten. wunderschön!

das thema heute war economic development also wirtschaftsförderung. als erstes bekamen wir gleich einen einblick ins "trainingscenter" dort haben die jugendlichen eine möglichkeit sich ausbilden zu lassen. wir sahen eine gruppe jungs deren gebiet das handy-flicken war. nebenan wurden junge frauen im nähen instruiert. mit den gewonnenen wissen und handling können diese jungen leute später mal arbeiten und geld verdienen.

nach diesem wertvollen einblick, hiess es wieder ins auto und holperholper richtung kleines dörfchen auf dem land. auch dort war der empfang wieder mal so unglaublich herzlich. wir erfuhren, dass das dorf sich dank der kühe die sie bekommen haben finanzieren können. bzw aus der milchgewinnung. diese rasse von kühen ist sehr robust, bekommt min. ein mal im jahr nachwuchs und garantiert somit die milchproduktion.

wir wurden wieder überhäuft mit nettigkeit und gastfreundschaft und bekamen milch ab der kuh sozusagen. diese herzlichkeit wird mich bis zum schluss des journeys immer wieder berühren und erstaunen.

ich schlenderte also in der hitze und der luft des bauerndörfchens umher und wurde jäh aus meinen gedanken gerissen als eine hand die meine packte. ich sah auf und blickte in das gesicht einer uralten buckligen frau. die frau hielt meine hände und drückte sie an ihr herz. sie liess mich nicht mehr los. wir liefen hand in hand umher und konnten kein wort zusammen reden. als ich den übersetzer zu fassen kriegte wollte ich zumindest den namen der frau wissen. rubia. rubia hielt meine hand noch immer als würde ich ihr weggerissen werden. wir verständigten uns mit blicken. ich sprach ihren namen aus und dann meinen.
als die zeit gekommen war zu gehen (wie immer viel zu früh) küsste sie meine hände, ich streifte einen meiner silberarmreifen ab und streifte ihn rubia über ihr knochiges handgelenk, küsste ihre hand ebenfalls. dann liess sie mich mit den andern ziehen. schnellen schrittes richtung auto. ich musste mir die tränen echt richtig verkneiffen. diese begegnung hat mich derart berührt.

nichts desto trotz die reise musste weitergehn. so konnten wir uns dann noch durchsetzen den transfer mit dem boot 10 minuten über den fluss zurück zum adp fortzusetzen statt 2 stunden mit dem auto um den fluss herum. hat das gut getan. so über dem wasser. die sonne, das wasser, die luft. einfach herrlich.

wir nahmen abschied von unserem bisherigen guide xavier. der abgelöst wurde von david schwitter aus der schweiz, welcher auf der durchreise nach indien war.
wir besuchten noch einige frauen, welche handarbeit betreiben. stoffe besticken, bedrucken, taschen knüpfen ect. diese dann verkaufen. dannach konnten wir noch einen blick in einen beautysalon erhaschen bevor es zurück zum hotel ging.

ich für meinen teil total verschwitzt und nach dem emotionalen tag recht froh in vorfreude auf eine dusche, wurde ziemlich krass auf den boden geholt als david schwytter verkündete das wir heute noch weiterreisen. also hiess der plan anstatt mal schön kühl duschen, innerhalb 10 minuten unsern ganzen krempel packen und ab ins auto. da es vorallem für ausländer eigentlich nicht erlaubt ist bei dunkelheit zu fahren, da überfallgefahr zu gross, wurden wir recht gedrängt. david fuhr mit seiner truppe hinter uns her und wir mit einem mulmigen gefühl voraus. plötzlich hielt er mitten auf der strasse an und ein typ stieg vorne ein. ohne ein wort.
irgendwann (und es war stockdunkel) fuhr der driver von der strasse ab, rollte unsern wagen auf ein verlassenes areal mit einer alten lagerhalle oder sowas und schaltete die scheinwerfer aus. mein herz klopfte schon wieder.
unsere crew hinten tauschten besorgte blicke als der driver ohne ein wort den wagen verliess und uns. der zweite typ stieg ebenfalls aus. ich denke wir alle haben einfach schon den ein oder andern horrorfilm geschaut. unsere gedanken muss ich hier nicht noch grossartig erläutern. das bleibt eurer fantasie überlassen. jedenfalls nach einem kurzern schreckensmoment, kam der fremde typ, stieg ein und fuhr los. es handelte sich also einfach um einen schichtwechsel.
so fuhren wir unendlich lange bis wir schliesslich spätabends in einer comunity eintraffen wo wir schon beim aussteigen die singenden kinder hörten. das es wieder blumen regnete muss ich glaub nicht mehr anfügen.
doch was uns dann noch erwartete übertraf (für mein empfinden) alles andere bis her gesehene.

dort in einem raum warteten kinder im alter von 3-16 jahren. wir bekamen ehrenplätze und durften eine megashow geniessen. diese kinder hatten über 2 stunden auf uns gewartet, die kleinsten zum teil kurz vor dem einschlafen haben trotzdem alle ihre auftritte mit einer unglaublichen souveränität abgeliefert das ich schon wieder mit den tränen kämpfte.
wir genossen eine min. 40minuten show.

als wir schweizer dann gefragt wurden ob auch wir etwas vortragen möchten ging zuerst ein typisch schweizerisches raunen durch unsere bänke und jeder von uns wurde ein paar cm kleiner. doch nach einer kurzen schrecksekunde wurde mir klar, dass dies endlich mal eine gelegenheit wäre um etwas zurück zu geben. ich schnappte mir david cunado (unseren begnadeten sänger) mitsamt seinem iphone, dann das mikrophon und so trällerten wir gemeinsam den song lucky von jason mraz. diejenigen die mich kennen, ich bin bestimmt kein gesangstalent, doch dieses über den schatten springen hat mich sowas von gelöst, dass die zeilen (wenn auch evt nicht immer den tontreffend) nur so aus mir rausflutschten. die leute hatten riesen spass und lachten. das hat so gut getan das könnt ihr euch nicht vorstellen. der rest unserer crew hats dann wohl auch noch gepackt und so standen david, sandy, andreas, marc und ich eingehängt vor den zuschauern und gaben "es buurebüebli ma i ned" zum besten.

wow war das ein abend.
der rest ist schnell erzählt. sandy und ich (weil wir frauen sind) wurden noch fix ausquartiert und schliefen dann in einem guesthouse. vollgetankt mit adrenalin und guten gefühlen schlief ich recht problemlos ein.

see you tomorrow.